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Jubiläum

Damals wurde Kall mit „C“ geschrieben

Von Reiner Züll, 12.08.08, 17:03h

Der Turnverein feiert zwei Tage lang sein 100-jähriges Bestehen. Vor dem Krieg durften nur Mitglieder arischer Herkunft am Vereinsleben teilnehmen. Heute gehören dem Verein knapp 700 Personen an.

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Kaller Turnerinnen im weißen Sportdress beim großen Turnfest im Jahr 1952, als der Verein seine neue Turnhalle einweihte, bei dessen Bau die Mitglieder 2200 Arbeitsstunden geleistet hatten. (Repro: Züll)
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Kaller Turnerinnen im weißen Sportdress beim großen Turnfest im Jahr 1952, als der Verein seine neue Turnhalle einweihte, bei dessen Bau die Mitglieder 2200 Arbeitsstunden geleistet hatten. (Repro: Züll)
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Die Leverkusener Juniorenmannschaft, die 2007 und 2008 die deutsche Meisterschaft für Rhythmische Sportgymnastik gewann, zeigt am Samstagnachmittag ihre Künste beim Jubiläum des Turnvereins. (Repro: Züll)
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Anita Königsfeld ist seit zehn Jahren TV-Vorsitzende. (Bild: Züll)
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Kall - „Der Turnverein Kall legt ein erstklassiges Zeugnis dafür ab, zu welchen Leistungen ein Verein fähig ist“, schreibt der Präsident des Rheinischen Turnerbundes, Hans-Jürgen Zacharias, in seinem Grußwort zum 100-jährigen Bestehen des Turnvereins und zum 50. Geburtstag der Tischtennisabteilung. Am kommenden Wochenende feiert der mit knapp 700 Mitgliedern größte Verein in der Gemeinde Kall mit einem zweitägigen Festprogramm das doppelte Jubiläum.

Es waren 30 sportbegeisterte junge Männer, die 1908, als Kall noch mit „C“ geschrieben wurde, mit Josef Paffenholz auf dem Schulhof in Kall - mit einem Reck und einem Barren - eine Turngruppe ins Leben riefen. Schon kurze Zeit später ging bei einer Gründungsversammlung im Saal Rolland aus der Gruppe der „Turn- und Sportverein Call“ (TuS) hervor. Josef Paffendorf wurde Vorsitzender und erster Turnwart. Nach sechs Jahren wurden auch Jungen im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren aufgenommen, Übungstunden fanden damals im alten Hammerwerk statt - da, wo jetzt das Berufskolleg Eifel steht. Während des Ersten Weltkrieges kam das Vereinsleben zum Erliegen, 16 der besten Turner kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück.

Krach mit Fußballern

Im neuen Vereinslokal Gräfen erfolgte 1919 die Wiederbelebung des Vereins, es wurde nun auch Handball und Fußball gespielt. Drei Jahre später erfolgte die Abspaltung der Fußballer, nachdem es zu Streitigkeiten gekommen war.

1922 gründeten die abtrünnigen Fußballer den „Caller Sport Club“ (CSC). In den Folgejahre war der Turnverein bei Turnfesten erfolgreich, 1930 konnte der Verein sogar ein Tambourcorps vorweisen, im gleichen Jahr bekam der TuS eine eigene Vereinsfahne. 1933 begannen die ersten Schwierigkeiten, die Satzungen wurden mehrmals geändert. 1940 musste der Verein in „Gemeinschafts-Turnverein Kall“ umbenannt, der Vorsitzende hieß „Vereinsführer“. Zugelassen waren damals nur Mitglieder arischer Herkunft, Jungen und Mädchen mussten Mitglieder in der Hitlerjugend (HJ) oder im Bund Deutscher Mädchen (BDM) sein. Mit Kriegsbeginn kam der Turnbetrieb immer mehr zum Erliegen: Es konnte nur noch in einer alten Baracke trainiert werden, die 1940 beschlagnahmt und 1945 abgerissen wurde. Bei der ersten Versammlung nach dem Krieg im April 1946 wurde Fritz Hoffmann Vorsitzender des Vereins. Hoffmann führte die Gemeinschaft wieder zu neuer Blüte; 1952 wurde der Verein als „Turnverein 1908 Kall / Eifel“ ins Vereinsregister eingetragen. Am alten Hammerwerk konnten die Turner eine eigene Halle einweihen, die sie in Eigenregie gebaut hatten.

Zum 50-jährigen Bestehen 1958 zählte der Verein 69 Turner, 20 Tischtennisspieler und sechs Leichtathleten sowie 24 inaktive Mitglieder. Im gleichen Jahr wurde die Tischtennisabteilung offiziell beim Verband angemeldet. Die vereinseigene Turnhalle wurde 1963 gegen ein geringes Entgelt an den damaligen Kreis Schleiden verkauft. Mit der Übergabe verbunden war ein dauerhaftes unentgeltliches Nutzungsrecht der Halle sowie einer Folgehalle, die der Kreis neben der Berufsschule baute.

Zehn Jahre TV-Chefin

1969 ging die Ära der Vereinsgründer zu Ende, als Fritz Hoffmann nach 23-jähriger Amtszeit den Vorsitz in jüngere Hände abgab. Dr. Ernst Lünebach wurde erster, Theo Kühl zweiter Vorsitzender. Es folgten die Vereinschefs Werner Lünebach (1975 bis 1981), Paul Herr (1981 bis 1994) und Herbert Niklewitz (1994 bis 1998). Seit nunmehr zehn Jahren ist Anita Königsfeld TV-Vorsitzende. Sie hält dem Verein schon seit 35 Jahren die Treue. Ihr zur Seiten stehen der zweite Vorsitzende Rainer Holdmann, Schriftführer Martin Heinen und Kassenwart Alfons Wassong.

Ein wichtiger Meilenstein in der Vereinsgeschichte war der 29. September 2001, als das neue Vereinshaus an der Tennisanlage im Sportzentrum eingeweiht werden konnte. Wieder hatten die Mitglieder selbst Hand angelegt und 1250 Arbeitsstunden am Bau geleistet.

350 Jugendliche

Zum 1. April dieses Jahres zählte der Verein exakt 690 Mitglieder im Alter zwischen einen und 86 Jahren in den Abteilungen Badminton, Tennis, Tischtennis, Turnen und Volleyball. Seit 2003 bietet der TV auch Nordic Walking an.

Die Mitgliedschaft von 260 Kindern sowie 90 Jugendlichen zeugten von einer herausragenden Stellung des Vereins in der Jugendarbeit, lobt auch Bürgermeister Herbert Radermacher die Verantwortlichen des Jubiläumsvereins.




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